Stehen Tegut-Märkte in der Region vor dem Aus, weil es wettbewerbsrechtliche Bedenken gegen eine Übernahme durch Edeka gibt? Die SPD- Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar fordert eine genaue Betrachtung der einzelnen Standorte und Entscheidungen für die Menschen vor Ort.
„Für die Beschäftigten und die Menschen vor Ort geht es um viel. Es geht um Arbeitsplätze, aber gerade in unseren ländlichen Regionen auch um eine verlässliche Nahversorgung“, erklärt Sabine Dittmar. Deshalb müsse alles darangesetzt werden, für möglichst viele Standorte eine tragfähige Zukunftsperspektive zu finden.
In der Region sind wohl die Märkte in Bad Neustadt-Brendlorenzen, Bad Neustadt in der Saalestraße, Oberelsbach und Schonungen betroffen. Sie sollen von Edeka übernommen werden. Das Kartellamt hat aber Bedenken angemeldet. Kommt der Konzern nicht zum Zug, droht die Schließung der Märkte.
Das Bundeskartellamt nehme mit der wettbewerbsrechtlichen Prüfung zwar eine wichtige und gesetzlich klar definierte Aufgabe wahr. „Es muss dabei aber bei der Bewertung der einzelnen Märkte die tatsächliche Situation vor Ort genau betrachtet werden“, macht die SPD-Bundestagsabgeordnete klar.
Besonders deutlich zeige sich dies in Oberelsbach. Dort gibt es offenbar konkretes Interesse von Netto, das zur Edeka-Gruppe gehört, den bisherigen Tegut-Markt zu übernehmen. Die vorläufigen Bedenken des Bundeskartellamts haben deshalb vor Ort erhebliche Sorgen ausgelöst.
„Oberelsbach ist für mich ein Beispiel dafür, warum wir sehr genau hinschauen müssen“, sagt Sabine Dittmar. Im Markt Oberelsbach gibt es neben Tegut keinen anderen klassischen Lebensmittelmarkt. Die nächste Edeka-Filiale liegt mehr als zehn Kilometer entfernt. „Wenn die Übernahme des Tegut-Marktes scheitert und es keine andere tragfähige Lösung gibt, droht den Menschen vor Ort der Verlust ihres Nahversorgers und den Beschäftigten der Verlust ihrer Arbeitsplätze.“ Das könne nicht das gewünschte Ergebnis einer wettbewerbsrechtlichen Prüfung sein. „Damit verkommt Kartellrecht zu einer lebensfremden Theorie!“
Kriterien wie Entfernungen, Erreichbarkeit, Mobilität älterer Menschen und die vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten müssten auf dem Land anders bewertet werden als in Ballungsräumen.
„Wettbewerbsschutz ist wichtig und liegt im Interesse der Verbraucher:innen. Aber ebenso wichtig ist, dass wir die Lebenswirklichkeit der Menschen berücksichtigen“ appelliert Sabine Dittmar an das Bundeskartellamt die Situation in Oberelsbach und den anderen betroffenen Standorten noch einmal im Detail zu prüfen. Es geht dabei um mehr als nur um Zahlen und Statistiken. „Für viele Menschen, gerade im ländlichen Bereich ist eine gute und funktionierende Nahversorgung ein wesentliches Stück Daseinsvorsorge und Lebensqualität.“
Wo wirtschaftlich tragfähige Lösungen vorhanden sind, müsse alles dafür getan werden, die Märkte zu erhalten. „Gerade für Oberelsbach würde ich es sehr begrüßen, wenn eine Übernahme durch Netto ermöglicht werden könnte.“